Programminformationen

Dienstag, 26.Oktober | 19.30 Uhr
Philosophisches Institut LOGOI
Jakobstraße 25a, Aachen-Innenstadt
Vortrag mit Gespräch
Die Welt bietet Liebesmöglichkeiten
Anne-Kathrin Reif
Bis heute wird das Denken von Albert Camus mit den Begriffen des Absurden und der Revolte identifiziert. Camus hat sein Werk jedoch auf drei „Stadien“ hin angelegt: Das dritte sollte das der Liebe sein. Sein früher Unfalltod im Jahr 1960 verhinderte die Ausarbeitung dieses abschließenden Werkstadiums. Was lässt sich trotzdem darüber sagen? Und sollte uns die Liebe tatsächlich vor dem Absurden „retten“ können, wie es eine frühe Notiz von Camus nahelegt? In ihrem Vortrag geht Anne-Kathrin Reif der Spur der Liebe im Werk von Camus nach und überprüft das, was nach romantischer Ausflucht klingen mag, auf seine Relevanz für die Herausforderung gegenwärtigen Existierens.
Anne-Kathrin Reif promovierte über die Bedeutung der Liebe im Werk von Albert Camus an der Bergischen Universität Wuppertal. 2013 veröffentlichte sie die umfassende Monographie Albert Camus – Vom Absurden zur Liebe (Djre Verlag). Ebenfalls seit 2013 führt sie den Blog www.365tage-camus.de. Sie ist seit vielen Jahren als Kulturjournalistin und -Redakteurin tätig und lebt in Wuppertal.
Donnerstag, 28.Oktober | 18 – 22 Uhr
Aula Carolina, Pontstraße, Aachen-Innenstadt

SOIRÉE CAMUSIENNE
Festival-Szenen, Gespräche, Inszenierungen


Beiträge aus dem Jugendwettbewerb
Szenen & Inszenierungen


Poetry Slam
Lyrik mit Camus
Florian Stein unterstützt von satznachvorn

Florian Stein (*1989) studierte Linguistik, bevor er 2015 die Bühnen als Slam Poet betrat und sich durch seine energiegeladene Performance und tiefgreifende Erzählweise innerhalb kurzer Zeit seinen verdienten Platz unter Deutschlands Tour-Poet*innen sicherte. Der NRW-Meisterschaftsfinalist und Teilnehmer der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften spricht über das Mit- und Gegeneinander unserer Welt und engagiert sich für soziale und ökologische Belange.
2020 erschien sein Buchdebüt „Zwischen Menschlichkeit“


Gespräch
Camus4solidarity

Anna Maria Stock und Gina Sophia Franke
Wie können Camus‘ Ideen in die Öffentlichkeit getragen werden? Die Bremer Philosophie-Studentinnen Anna Maria Stock und Gina Sophia Franke haben in einem Uni-Projekt „Die Pest“ gelesen und daraus verschiedene öffentliche Aktionen entwickelt.

Multimediale Inzenierung
Albert Camus‘ Caligula
Karl-Walter Sprungala
mit Linus Heethey und Holger Vanicek

Im Drama über den römischen Herrscher und Tyrannen Caligula zeigt uns Camus, wie die Übermacht des Kaisers, wenn alle Fassaden in sich zusammenbrechen, ihn nicht vor dem Sinnverlust bewahren kann.
Um die Abgründe der Absurdität noch deutlicher auf den Punkt zu bringen, hat Holger Vanicek das Stück von allem Beiwerk befreit und zu einem Monolog Caligulas umgeschrieben, den der Schauspieler Karl-Walter Sprungala lesen und inszenieren wird, durchbrochen von Filmaufnahmen eines Gespräches zwischen Sprungala und Vanicek, die Linus Heethey mit einer eindrucksvollen Kameraführung aufgenommen und bearbeitet hat.

Karl-Walter Sprungala erhielt seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Künste in Berlin.
Seit 2005 ist er freiberuflich tätig. Neben seinem Theaterengagement war und ist Sprungala in vielen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Am Theater Aachen war er in den vergangenen Spielzeiten immer wieder als Gast zu erleben und gehört seit dieser Spielzeit fest zum Ensemble.

Linus Heethey, 2001 in Gütersloh geboren, hat 2019 eine Anstellung als Regieassistent am Theater Aachen erhalten. Aktuell arbeitet er an seinem Film „Anasyma“. Im Oktober 2021 hat er mit dem Studium szenische Künste in Hildesheim begonnen.

Holger Vanicek beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Albert Camus und wird mittlerweile häufig zu Vorträgen angefragt. Die Veröffentlichung seines Essays „Die Zerrissenheit – Albert Camus‘ Tanz unter dem Schwert“ ist in Vorbereitung. Unter dem Pseudonym Sebastian Ybbs hat er mehrere Romane veröffentlicht.

Sonntag, 31.Oktober | 11 – 22 Uhr
Burg Frankenberg, Goffartstraße 45, 52066 Aachen – Frankenberger Viertel
12.00 Uhr Gespräch
Albert Camus – Ein Philosoph der Generationen
Heinz-Robert Schlette, Oliver Victor

Oliver Victor ist Jahrgang 1991, Heinz Robert Schlette ist Jahrgang 1931. Die beiden trennen somit 60 Jahre. Doch es verbindet sie eine tiefe Leidenschaft zu Albert Camus.
Wir wollen sie in ein Gespräch miteinander bringen, in dem sie über den Camus ihrer Gegenwart sprechen, ihren persönlichen und wissenschaftlichen Zugang und ihre Begegnungen, die über Albert Camus zustande gekommen sind.

Prof. Dr. Dr. Heinz Robert Schlette hat in den Fächern Philosophie und katholische Theologie promoviert und an der Hochschule und der Universität in Bonn gelehrt. Neben zahlreichen eigenen Veröffentlichungen gibt es auch Publikationen über sein langjähriges Wirken.
Schlette gilt unter Experten als der wichtigste deutschsprachige Camus-Forscher. Er ist Ehrenmitglied der Albert Camus Gesellschaft.
Dr. Oliver Victor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Düsseldorf, war Gastdozent an den Universitäten Clermont-Auvergne und Aix-Marseille, hat über Kierkegaard und Nietzsche promoviert und forscht insbesondere über die Existenzphilosophie. Publikationen u.a. «Existenzialismus und Popularisierung. Zur Rolle der Philosophie bei Albert Camus», «Ich verdanke Nietzsche ein Teil dessen, was ich bin – Zur Nietzsche Rezeption»
 14.00 Uhr Dokumentarfilm O.m.U.
„Les vies d´Albert Camus“
Georges-Marc Benamou
Der Dokumentarfilm zeigt außergewöhnliche und bisher unbekannte Bilder und Szenen aus dem Leben von Albert Camus.
Incroyable destin de cet enfant des quartiers pauvres d’Alger, tuberculeux, orphelin de père, fils d’une mère illettrée et sourde, qui, grâce à son instituteur et au football, va s’arracher à sa condition  / film-documentaire.fr

Unglaubliches Schicksal dieses Kindes aus den Armenvierteln von Algier, tuberkulös, vaterlos, Sohn einer ungebildeten und tauben Mutter, das sich dank seines Lehrers und des Fußballs von seinem Zustand losreißen kann.

15.30 Uhr Vortrag
Der Bruch zwischen Camus und Breton
Lou Marin

Surrealismus und Anarchismus zwischen Annäherung und Distanzierung
Albert Camus‘ „Der Mensch in der Revolte“, basiert auf einer ahistorischen Wertsetzung am Ursprung der Revolte und der fortlaufenden Treue (fidélité) zu diesem Wert. Das Ideal der reinen Verweigerung, das „Nein!“, darf nicht durch das Überschreiten einer Grenze auf dem Weg von der Revolte zur Revolution, nämlich die Reproduktion der Gewalt der Herrschenden und mit ihnen Kollaborierenden, gegen die sich die Revolte ursprünglich richtete, verraten (trahision) werden.
André Breton und der Surrealismus jedoch richteten sich ab dem Ende des Ersten Weltkriegs gerade als jede Grenze sprengen wollende Revolte Jugendlicher gegen die bürgerliche Gesellschaft, die diesen Krieg verursacht hatte. Vor diesem Hintergrund ist es schwer erklärlich, warum Breton und andere Surrealisten sich ab Mitte der 1920er-Jahre dem Stalinismus zuwandten. Camus erklärte das mit einem nihilistischen Umschlag eines Revolteverständnisses ohne ahistoirschen Wert, der schließlich in der Anerkennung einer autoritären Herrschaft endet.

Seit 1979 ist Lou Marin in gewaltfreien Aktionsgruppen, Anti-AKW-Bewegung, Friedensbewegung und anderen Gruppen aktiv. Er gehört als Autor und Mitglied des Herausgeber*innenkreises der Graswurzelrevolution an. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben und herausgegeben, die heute zu den wichtigsten Werken der Camus-Literatur und darüber hinaus gehören.

17.30 Uhr Kurzfilm mit Regisseurgespräch
„Der Fremde“
Julian Withalm

Der wegen Mordes zum Tode verurteilte Meursault befindet sich in einer Gefängniszelle. In seiner aussichtslosen Lage und während er auf das Unvermeidliche wartet, seine Hinrichtung, durchläuft er Gedanken und Gefühle. Er klammert sich an die Vorstellung eines Gnadengesuchs. Der Anstaltsgeistliche betritt den Raum.
Es kommt zu einem Streit, in dem es um nichts Geringeres geht, als den Glauben an Gott und die bloße Existenz des Menschen.

Der junge Regisseur und Drehbuchautor Julian Withalm lebt und arbeitet überwiegend in Berlin. Er bewegt sich in seinen bisherigen Werken vor allem in der Welt der Literatur, des Theaters und Films und lässt die Genres auf verschiedene Weise miteinander verschmelzen. Dies zeigt sich unter anderem in dem Film „Was der Mond rot aufgeht“, einer Interpretation von Georg Büchners Woyzeck und auch in seiner Kurz-Verfilmung „Der Fremde“ nach dem gleichnamigen Roman von Albert Camus.

19.00 Uhr Vortrag
Camus und Nietzsche
Bernd Oei
Die ewige Wiederkehr des Gleichen als das unendliche Absurde der menschlichen Existenz, der Tod Gottes als das Ende aller metaphysischen Gewissheiten, der Übermensch als der letzte und der erste Mensch. Der Vortrag streift diese Analogien und geht auch auf Unterschiede ein: Da stehen Nietzsches Wille zur Macht und Camus Wille zum Leben und Bejahung des Schicksals.
Bernd Oei ist Gründer und Leiter des Philosophiesalons Bremen, Autor von inzwischen 20 Monografien, darunter vier Bände über Nietzsche, und zwei über Camus. Romanistik-, Philosophie-, Geschichts- und Literaturwissenschaft-Studium in Bremen, Hamburg und Bordeaux.
21.00 Uhr literarisch-musikalische Soirée
Sehnsuchtsorte Camus‘
Mona Creutzer, Sonja Mischor

„Natur setzt dem Irrsinn der Menschen ihre ruhigen Himmel und ihren Sinn entgegen.“ Musikerin Sonja Mischor und Schauspielerin Mona Creutzer, Theater K, gestalten eine musikalisch-literarische Soiree mit Auszügen aus Albert Camus Essays, Dramen und seinen persönlichen Anmerkungen zu Licht und Schatten.

 

Camus literarisches Sehnen nach anderen Orten, nach Licht, Heimat, Bekanntem und Fremden, Gerüche, Töne und Stimmungen bilden den Mittelpunkt der Themen, um die die beiden Künstlerinnen mit musikalischen Improvisationen und Rezitationen ihre Collage weben.

anschließend
Verre de l´amitié

Mittwoch, 27.Oktober | 19.30 Uhr
KuKuK an der Grenze, Ehemaliges Zollhaus, Eupener Straße 420, D – Aachen / B – Eynatten
Lecture et musique
La Peste – Abert Camus
Elsa Treppo
liest,
Paul Pankert musiziert
© by Editions Gallimard
Lecture de passages de La Peste d’Albert Camus et créations musicales. Réflexion sur notre réalité à travers des regards croisés, entre fiction et actualité, entre texte et compositions expérimentales.

Elsa Treppo est enseignante, traductrice, active dans le secteur culturel.

Paul Pankert est violoniste, enseignant, compositeur. Mit live gespielten Instrumenten, elektronisch transponiert und durch Programmierungen ergänzt entstehen die Kompositionen von Paul Pankert. Die Charakteristik der Instrumentenklänge und die Expressivität des Interpreten begegnen in den Stücken der Digitalisierung als prägendes Element unserer Zeit.

„La Peste“ von Albert Camus © by Editions Gallimard


Freitag, 29.Oktober | 19.30 Uhr
Haus der ev. Kirche, Frère-Roger-Straße 8-10, Aachen

Podiumsdiskussion
Der Gegenwart alles geben – Revolte heute

Niklas Schinerl, Greenpeace Deutschland;
Lina Gobbelé, Fridays for Future Deutschland;
Florian Öztürk, Anti-Braunkohle-Aktivist;
Jürgen Kippenhan, Philosoph;
Holger Vanicek, Albert Camus Gesellschaft

«… die Revolte beweist dadurch, dass sie die Bewegung des Lebens ist, dass man sie nicht leugnen kann …»

Niklas Schinerl arbeitet für Greenpeace Deutschland im Themenfeld Klima, Energie, Verkehr, war viele Jahre einer ihrer Sprecher und leitet heute das Mobilitätsteam, das sich aktuell inhaltlich mit den großen Autokonzernen wie Volkswagen beschäftigt.

Lina Gobbelé ist 19 Jahre alt, studiert Politikwissenschaft, Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften in Düsseldorf und ist seit mehr als zweieinhalb Jahren bei Fridays for Future aktiv. In ihrer Zeit bei Fridays for Future hat sie diverse Aufgaben und Positionen innerhalb der Bewegung übernommen, einige Großevents organisiert und trägt sowohl bundesweit als auch international viel Verantwortung in der Bewegung.

Florian Öztürk ist Anti-Tagebau-Aktivist aus Lützerath und aktiv in der Bewegung UnserallerWald

Dr. Jürgen Kippenhan hat in Bochum, Bonn und Aachen Philosophie und Sozialwissenschaften studiert. Promotion in Aachen über die Möglichkeit künstlicher Intelligenz. Zunächst Hochschulassistent in Aachen, dann Gastdozent an brasilianischer Universität, nun Lehrauftrag am philosophischen Institut der RWTH Aachen. 2009 Gründung von LOGOI.

Holger Vanicek von der Albert Camus Gesellschaft

Samstag, 30.Oktober
Burg Frankenberg, Goffartstraße 45, 52066 Aachen – Frankenberger Viertel

11.00 Uhr Präsentationen aus dem Jugendwettbewerb

Das Festival-Team hat Jugendliche der Region dazu aufgerufen, sich mit Albert Camus und/ oder seinen literarischen, philosophischen oder politischen Themen auseinanderzusetzen.
«Wie gehst Du mit den Widersprüchen des Lebens um?» «Woran orientierst Du Dich?» «Was ist Deine Revolte?»
In welcher Art die Jugendlichen ihre Bearbeitungen präsentieren wollen, das bleibt ihnen überlassen.
Ihre Ergebnisse werden wir am Donnerstagabend bei der Soirée Camusienne und am Samstagmorgen präsentieren.

13.00 Uhr Philosophischer Salon
Camus und die Absurdität
Jürgen Kippenhan

Sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorzustellen, muss angesichts seines unaufhebbaren Leidens selbst als absurd angesehen werden. Wie sehr das Absurde Platz hat in unserem Leben und was seine – gerade von Albert Camus angestoßene – Vergegenwärtigung bewirkt, darüber nachzudenken könnte sich lohnen …

Jürgen Kippenhan ist – neben leichten Tendenzen zum Absurden – Leiter des philosophischen Instituts LOGOI, erfüllt einen Lehrauftrag für ‚Philosophie des Geistes’ an der RWTH Aachen und ist Mitbegründer der Albert-Camus-Gesellschaft.

 14.30 Uhr Frankreichgedichte
„Bellevue“
Dieter Hans

Die Gedichte gehen über dieses Land, das dem Dichter und Denker Camus ein natürlicher Wahrnehmungsrahmen für seine Denkperspektiven war: Also mit dem Erbe von 1789 und der Résistance einerseits , der Vichy -Kollaboration und der Hypothek Kolonialismus andererseits.
Sie nehmen aktuell Eindrücke auf auch vom Frankreich der Gelbwesten, schmerzlich auch vom Anbiedern in la France Profonde und deren tourismusabhängigen Existenzen ; prominent natürlich von Paris, der – nicht nur – Hauptstadt des 19.Jahrhunderts.

Dieter Hans, Mitglied des Literaturbüros Euregio Maas-Rhein; veröffentlicht häufig Gedichte und Essays in Anthologien und literarischen Zeitschriften; Lesungen, Vorträgen, Textpräsentationen zu Proust, Musil, O. Wilde, …
Weitere Buchpublikation: Der kranke Chauffeur; Bellevue: Frankreich-Gedichte

16.00 Uhr Vortrag
Vom rechten Maß Rudolf Lüthe

Aus Camus’ Philosophie des gelingenden Lebens als das Ergebnis der Verbindung einer Theorie “sinnlosen Glücks” mit dem Konzept des „mittelmeerischen Denkens“ entsteht das Bild eines für Camus spezifischen positiven Lebenskonzepts, das auf die traditionelle Verknüpfung von Glück und Sinn ebenso verzichtet wie auf die religiöse oder metaphysische Überhöhung der menschlichen Existenz. Der Vortrag stellt gleichzeitig die Frage nach der Aktualität der Grundzüge dieses Denkens unter den intellektuellen Bedingungen der Postmoderne.

Professor Dr. Rudolf Lüthe hat in Aachen Philosophie, Anglistik und Komparatistik studiert, danach in Aachen, Siegen, Marburg, Lichtenstein, Zürich, Atlanta. Buffalo, Bremen und Koblenz geforscht und gelehrt.
Zuletzt erschienen: Absurder Lebensstolz. Postmoderne Auseinandersetzungen mit der Philosophie Albert Camus’, 2012; Skepsis, Melancholie, Ironie. Facetten einer philosophischen Orientierung in der postmodernen Kultur (2013).

17.30 Uhr Kurzfilm mit Regisseurgespräch
„Die Gerechten“
Antoine Schweitzer

Der junge Filmemacher Antoine Schweitzer hat sich 2018 in einem Kurzfilm Albert Camus´ Die Gerechten gewidmet und dafür speziell den 4. Akt ausgewählt.
In einem Gespräch zwischen dem Attentäter Kaliayev und der hinterbliebenen Frau des Großfürsten, dem der Anschlag galt, geht es um Auslegungen der Gerechtigkeit und um eine Moral, die die Frage aufwirft, ob man im Namen einer Idee einen für Elend verantwortlichen Herrscher töten darf.
Der Film (frz. mit dt. Untertiteln) überzeugt mit betörenden Bildern eines Kammerspiels und einer ausdrucksstarken Mimik der Darsteller.

Anschließend stellt sich der Regisseur den Fragen und Anmerkungen des Publikums (in deutscher, auf Wunsch auch in französischer Sprache)

19.00 Uhr Podiumsdiskussion
Der Kampf um das freie Wort Anna Gvelesiani, Lou Marin, Christian Rein

Über Kultur- und Pressefreiheit seit dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“
Die Bilder des tödlichen Terroranschlags auf die Redaktionsräume der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ wurden in das kollektive Gedächtnis unserer medialen Öffentlichkeit eingebrannt. Die in der Folge geführten intensiven Zeitungsdebatten wiesen dabei schnell über das konkrete Ereignis im Januar 2015 hinaus und aktualisierten einen der wichtigsten Leitdiskurse der Gegenwart: Über die Bedeutung und das Verständnis der Begriffe „Presse- und Kunstfreiheit“.
Dass sich hier, wie in einem Brennglas die großen Konfliktlinien unserer Zeit bündeln, führt z.B. die Geschichte des als Solidaritätsbekundung entstandenen Hashtags #jesuischarlie vor, sowie dessen versuchte Aneignung bei den Pegida-Protesten oder der Gegenhashtag #jenesuispascharlie.
Was bedeuten die geführten und sich beständig weiterentwickelnden Debatten für Journalist*innen und die Bedingungen, unter denen sie arbeiten?  Welchen Herausforderungen sind sie heute ausgesetzt
und wie gehen wir alle damit um?
Anna Gvelesiani (Sorbonne Universität) hat das umfangreiche journalistische Textnetz aus mehr als 640 Artikeln, Reaktionen, Deutungen und Wertungen in ihrer diskurslinguistischen Dissertationsarbeit analysiert und u.a. mit der historischen Genese des nicht nur antonymen Begriffspaars „Pressefreiheit und Zensur“ seit der Aufklärung  kontextualisiert. Sie forscht und lehrt zur deutschen und französischen Zeitgeschichte.
Lou Marin ist Mitarbeiter der Monatszeitschrift „Graswurzelrevolution“ sowie Mitglied im CIRA, Centre International de Recherches sur l’Anarchisme (Marseille) und hat mehrere Beiträge über Charlie Hebdo im Kontext der Diskussionen veröffentlicht. Er ist des Weiteren Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Werk und Wirken Albert Camus’ und übersetzte etwa dessen journalistische Texte aus der Untergrundzeitung „Combat“ ins Deutsche.
Christian Rein berichtet aus seiner täglichen kultur-journalistischen Praxis über Veränderungen, Spannungsfelder und die Verantwortung von Zeitungsmacher*innen. Seit 2020 ist er Leiter des Bereichs „Kultur/Magazin“ der „Aachener Zeitung“ und der „Aachener Nachrichten“, für die er zuvor bereits u.a. als Politikredakteur tätig war.
Moderiert von Jürgen Kippenhan (Philosoph, Leiter des LOGOI Aachen) möchten wir im Rahmen unseres Podiumsgespräch eine Bestandsaufnahme aktueller Entwicklungen wagen und mit unseren Gästen auch den Blick in die nähere Zukunft öffnen.
Veranstaltungskonzept:
Literaturbüro in der Euregio Maas-Rhein e. V..

anschließend
Verre de l´amitié Gespräche im Turm

Montag, 1. November | 13 Uhr
Heinrich- Böll-Haus, Heinrich-Böll-Straße 11, Kreuzau-Langenbroich
13.00 Uhr Vortrag mit Gespräch Albert Camus – Heinrich Böll: „Die Qualität höchster Zeitgenossenschaft“ Christoph Vormweg
Heinrich Böll 1917 – 1985 und Albert Camus 1913 – 1960 sind sich einander nie begegnet. Und doch verbindet die beiden weitaus mehr als nur ihre Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis.
Christoph Vormweg, geboren 1961, arbeitet als freier Radio-Autor und Literaturkritiker in Köln.  Für den WDR realisierte er Feature-Sendungen über Albert Camus und Heinrich Böll.

anschließend
Verre de l´amitié zum Ende des Festivals

Dieses lebensgierige Herz für eine Sekunde aber für immer

«Es war nur mehr dieses lebensgierige, gegen die tödliche Ordnung der Welt aufbegehrende verängstigte Herz, das ihn vierzig Jahre lang begleitet hatte und noch immer mit der selben Kraft gegen die Mauer schlug, die es vom Geheimnis allen Lebens trennte, die es überwinden, über die es hinaus gehen und wissen wollte, wissen, bevor es starb, endlich wissen, um zu sein, ein einziges Mal, eine einzige Sekunde, aber für immer.»
Albert Camus – Der erste Mensch